​Die Umweltbilanz von Recyclingpapier

Recyclingpapier

Ökologisch nachhaltiges Handeln ist häufig beschwerlich und mit Einschränkungen verbunden. Vergleichsweise leicht lässt sich Frischfaserpapier durch umweltfreundliches Recyclingpapier ersetzen.

In Behörden, Ämtern, Schulen und Universitäten scheint der Traum vom papierlosen Arbeiten eine Utopie zu sein. Seit dem 01.01.2022 gibt es zwar spezielle Behördenpostfächer, die den sicheren Mailverkehr zwischen Ämtern, Behörden und Gerichten garantieren, Bescheide, Rechnungen und Anträge, werden weiter konventionell in Papierform zugestellt. An Schulen und Universitäten ist seit etwa zwei Jahren die Onlineteilnahme an Prüfungen möglich, flächendeckend durchgesetzt wurde das nicht.

​Die Ökobilanz von Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier

Für die Herstellung von Frischfaserpapier müssen unter Zuhilfenahme von Chemikalien die Holzfasern aus dem Holz herausgelöst werden. Eingesetzt werden alkalische oder saure Schwefelsalzsäuren. In Europa wird überwiegend chlorarme Bleiche eingesetzt, die gesundheitlich schädlich und umweltbelastend ist. Produkte, die als chlorfrei gebleicht gekennzeichnet sind, wurden lediglich nicht mit elementarem Chlor gebleicht.

Im Gegensatz zum Frischfaserpapier werden beim Recyclingpapier andere Herstellungsverfahren genutzt. Die Papierfasern werden im Wasser aufgelöst, bevor sie sortiert und getrocknet werden. Recyclingpapier wird in erster Linie mit Wasserstoffperoxyd geblichen. Sollen Druckpartikel von den Fasern gelöst werden, kommen Natronlauge und Tenside zum Einsatz. Wird ein Papier als Umweltpapier ausgewiesen, wurden im Recyclingprozess keine Chemikalien verwendet.

Recyclingpapier wird ressourcenschonender und umweltverträglicher produziert, weil Wasser und Energie gespart werden. Kann auf Papier nicht verzichtet werden, ist Recyclingpapier die ökologisch nachhaltigere Variante

​Die Recyclingrate und der Recyclingzyclus

Der Recyclingzyklus besagt, wie oft Papier recycelt werden kann. Die Recyclingrate beschreibt, wie viel Papier, gemessen an der Gesamtmenge, recycelt wird.

Im Jahr 1990 wurden durch die Papierindustrie lediglich knapp 49 Prozent Altpapier eingesetzt. Im Jahr 2020 betrug der Einsatz von Altpapier etwa 79 Prozent (Quelle: https://recyclinghof.org/ ) Durch diese Erhöhung des Einsatzes von Altpapier können wertvolle Ressourcen wie Holz und Wasser geschont werden.Die Steigerung des Papierverbrauchs in den letzten 30 Jahren relativiert jedoch diesen Effizienzgewinn.

Papierfasern können, um aus ihnen Papier für Drucker oder Kopierer herzustellen, etwa fünf bis sieben Mal recycelt werden. Danach können die Papierfasern zur Herstellung von Pappe oder Karton verwendet werden.

​Vorbehalte gegenüber recyceltem Papier

Die meisten Menschen assoziieren mit Recyclingpapier ein graues Papier. Recyclingpapier ist tatsächlich in jedem Weißegrad erhältlich. Im Herstellungsprozess wird chlorfreie Bleiche eingesetzt.

Die nachhaltige Papiervariante hat den Ruf, dass, die Schrift schlecht lesbar sei. Tatsächlich belastet hellweißes Papier die Augen stärker als weniger helle Papiersorten.

​Vorteile von Recyclingpapier

Recyclingpapier schont die Umwelt, weil zur Herstellung keine neuen Ressourcen verwendet werden. Durch die Schonung der Wälder können die Artenvielfalt erhalten und das Klima schützt werden. Durch den Verzicht auf schädliche Chemikalien im Herstellungsprozess ist das ein recyceltes Produkt besser für die Gesundheit. In der Herstellung können bis zu 60 Prozent der Ressourcen eingespart werden, beim Wasser sind es sogar bis zu 70 Prozent. Pro Tonne hergestelltem Recyclingpapier können bis zu 30.000 Liter Wasser eingespart werden. Die Qualität des Recyclingpapiers steht der von Frischfaserpapier in keiner Weise nach. Das betrifft sowohl den Weißegrad als auch die Haltbarkeit.

​Papiersiegel, auf die beim Papierkauf geachtet werden sollte

Wie bei anderen Produkten auch, gibt es Gütesiegel, die ausweisen, unter welchen Bedingungen das Produkt hergestellt wurde.

Der Blaue Engel (Zertifizierung nach RAL-ZU 14) garantiert derzeit die höchsten Anforderungen in Bezug auf ökologische Standards. Es dürfen keinerlei schädliche Chemikalien eingesetzt werden, das Produkt muss zu 100 Prozent aus Recyclingpapier sein. Darin enthalten sind mindestens 65 Prozent mittlere oder untere, krafthaltige Altpapiersorten. Bei der Produktion von Briefumschlägen und anderen Fertigpapierprodukten sind Schwankungen von bis zu fünf Prozent zulässig.

Das Ökopa plus und das FSC Recycled-Siegel werden dann vergeben, wenn das Papier zu 100 Prozent aus recyceltem Papier hergestellt wurde.

Das Siegel Klimaschutzpapier kennzeichnet die Produkte, die zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt wurden und zusätzlich Kriterien des blauen Engels erfüllen.

Das FSC Mixed Sources Siegel garantiert, dass mindestens 70 Prozent der in der Produktion genutzten Materialien FSC-zertiziert sind und/oder recycelt wurden. Ist der prozentuale Anteil niedriger, wird der recycelte Anteil ausgewiesen.

​Die Preise von Recyclingpapier im Vergleich zu Papier aus Frischfasern

Tendenziell ist recyceltes Papier günstiger als vergleichbares Frischfaserpapier. Diese Vergleiche beziehen sich immer auf 500 Blatt in der DIN-Größe A4. Recyclingpapier mit 70er oder 80er-Weiße können sind fünf bis zehn Prozent günstiger. Bei einem Weißegrad von 90 kosten die Papiere beider Herstellungsverfahren etwa gleich viel, lediglich bei der 100er-Weiße ist das Recyclingpapier etwa zehn Prozent teurer.

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